Von nirgendwo nach Baja

Auch heute holpern wir wieder einige Kilometer über den Dammweg. Irgendwo finden wir es richtig beschrieben: „diese provisorische Wegvariante ist das, was man Radtouristen am ehesten zumuten kann", steht auf einem offiziellen Schild.  

 

Bald verlassen wir den Damm und radeln den Rest des Tages auf ruhigen Nebenstraßen durch das ungarische Nirgendwo.

 

 

Durch abgeerntete Getreidefelder, Mais und Sonnenblumen gelangen wir in verschlafene Dörfer, wo jeder jeden grüßt und uns gleich dazu. Sie alle aber haben ein Lebensmittelgeschäft, das von halb sechs morgens bis 18 Uhr geöffnet ist, Sonntags nur von halb sechs bis zwölf. Wir treffen Richard und Isabella wieder, die wie sich herausstellt, nur einen Kilometer von uns entfernt ebenfalls am Donaustrand übernachtet haben. Und obwohl wir den ganzen Tag sonst keine Reiseradler getroffen haben, entsteht unvermutet ein Radlertreff. Da ist der Sachse mit dem Liegerad, der bis zu 200 km am Tag fährt und Nationalparks langweilig findet, wenn da nicht mal Bären drin sind, da sind die beiden Bochumer, die ihr Rad repariert haben und mit denen wir ein Stück gemeinsam fahren. Dazu noch wir, und Richard und Isabella kamen auch noch dazu.


Kurz vor Baja biegen wir beide in den Nationalpark Duna-Drava ab. Hier im ungarischen Gemencerwald leben Wildkatze, Otter, Reiher, natürlich Biber, Seeadler, und, wie sich bald herausstellt, jede Mende Wildschweine „Schau da vorne weiden Schafe, sicher ein Weideprojekt“ meint Karl. Doch beim Näherkommen entpuppen sie sich als 5 Frischlinge, die auf der Dammböschung „grasen“. Das warnende Grunzen der Mutter lässt sie bald wieder im Wald verschwinden. Später sehen wir eine Bache mit ihrem Frischling, noch eine weitere Gruppe Wildschweine die wir mit gebührendem Abstand fotografieren, da sie sich sonst sofort wieder in den Wald verziehen. Das beste ist das große Wildschwein, dass nur 2 Meter neben Karl am Straßenrand steht.

 

Wir wollen auf einem offiziellen Campingplatz mitten in Nationalpark übernachten, zumindest steht es so im Radführer. Es gibt keinerlei Hinweisschilder, so fahren wir rein nach Karte hin. Der vermeintliche Campingplatz entpuppt sich als Zeltplatz der einheimischen Fischer. Ein großes Feuer lodert, wohl als Schutz vor den vielen Mücken, die uns bei lebendigem Leib aussaugen. Es wird eine ruhige Nacht – bis auf das Knacken  und Knistern ums Zelt, das dafür sorgt, dass sich Karin nur mit mulmigem Gefühl im Bach nachts ins Gebüsch traut. Man erinnere sich an die Wildschweine …  

 


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