Lustig ist das Zigeunerleben – eher nicht!

 

Manchmal sehen wir sie mit ihren Pferdewagen fahren – die Roma. Mutter, Vater, ein bis drei Kinder und die Oma ist manchmal auch dabei. Die Kinder haben einen Stock in der Hand. Wenn sie einen Müllsack neben der Landstraße sehen (und davon gibt es jede Menge), springen die Kinder ab und stochern herum, ob darin etwas Brauchbares zu finden ist. Könige der Landstraßen – eher nicht!

 

Angebettelt werden wir sehr selten. Manchmal fragt einer sehr höflich, ob wir nicht eine Zigarette oder etwas Geld übrig hätten. Da wir nicht rauchen und auch sonst nichts zu verschenken haben, ist das Thema schnell beendet. Eher nach dem Motto: Man wird es ja mal probieren dürfen. Aggressiv oder nachdrücklich gebettelt wird nicht.

 

Betteln tun sie aber nicht nur bei uns, sondern auch bei den „normalen“ Rumänen. Die sind auf die Roma sowieso nicht gut zu sprechen. Sie leben am Rande der Gesellschaft. In dem Gebiet, in dem wir unterwegs sind, gibt es kaum welche, sie leben wohl mehr an der Grenze zu Ungarn oder anderswo. Ganz zu Beginn haben wir manchmal wirklich schön gekleidete Roma-Frauen mit den klischeetypischen langen Röcken und pailettenbesetzten Kopftüchern gesehen, jetzt nicht mehr.

 

Heute kommen wir wieder durch eine Gegend mit sehr freundlichen Leuten. Die „Gänseliesl“ posiert freundlich fürs Foto. Auch ein Gänsehirte kommt plaudern. Er ist wie viele Rumänen nicht zufrieden mit seinem Land – soviel Armut, eine schlechte Regierung, sagen sie. Ein kleines bisschen verstehen wir jetzt schon, viele Wörter ähneln dem Italienischen und Französischen. Erstaunlicherweise sprechen viele ca. 60-jährige Frauen etwas Französisch, sie sagen, sie haben es in der Schule gelernt. Das kommunistische Bildungssystem war ja immer gut.

 

 

Die Industrie ist nach dem Kommunismus aber zusammengebrochen. Oft und oft fahren wir an halb verfallenen riesigen Industrieruinen vorbei.

 

Waren die letzten Tage eher „zaach“, verwöhnt uns der Radler-Gott heute wieder einmal. Kein Wind, am Vormittag bedeckter Himmel, das lässt uns nur so flitzen. 90 km haben wir heute trotz Fähr-Fahrt auf dem Tacho.

 

Die  Hunde fürchten wir jetzt gar nicht mehr. Eigentlich haben sie eher Angst vor uns und unseren Stock haben wir erst einmal gebraucht.

 

Heute sehen wir das erste Mal wieder richtig die Donau. Denn obwohl die Städte Calafat und Giurgiu an der Donau liegen, verläuft unsere Route seit 600 km nicht mehr am Fluss, sondern auf ruhigen Landstraßen etliche Kilometer entfernt.

 

Heute aber fahren wir mit der Fähre bei Silistra über die Donau. Auf dieser Seite bleiben wir jetzt. 

 

 

 

Morgen müssten wir entscheiden, ob wir der Donau entlang nach Tulcea im Delta fahren wollen, oder am Schwarzmeer-Kanal nach Constanta und dann an der Küste entlang rauf. Wir werden der Donau folgen, denn die Küstenroute nehmen wir dann sowieso auf dem Weg nach Bulgarien.

 

Nur mehr 130 km sind es von hier bis nach Constanta am Meer. Wir müssen noch etwas mehr als 300 km warten, bis wir das Meer sehen. Ab jetzt wird der weitere Steckenverlauf sehr hügelig. Aber die Landschaft ist jetzt sehr schön, und wir freuen uns, wieder einmal Wasser zu sehen.

 

Hier wird viel Wein angebaut, am Straßenrand hinter dem Weingarten kaufen wir die süßesten Trauben. Dafür dürfen wir dann den selbstgemachten Traubenschnaps/Weinbrand verkosten und der schmeckt wirklich super! Aber leider zu stark für zwei Donauradler! Schon gestern hatten wir rumänischen Muskateller aus Transsylvanien zum Abendessen getrunken, auch der hat uns geschmeckt! „Prost“ heißt Noroc!


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Kommentare: 1
  • #1

    Mama (Freitag, 12 August 2016 12:43)

    Ja dort gibt es noch viel Armut
    Da fahren die roma noch mit pferdekutschen bei uns mit großen Wohnwagen. Ja jetzt kommt das meer schon immer näher.aber es heißt noch fest strampeln.bei uns ist es noch immer sehr kühl und windig.