Unser wilder Ritt nach Istanbul

Nachdem ihr ja schon wisst, dass wir heil angekommen sind, wollen wir euch erzählen, wie wir nach Istanbul hineingefahren sind. Wir wollten den gesamten Weg bis ins Zentrum fahren. Aber jeden, den wir fragten, ob er einen sicheren Weg kennt, der uns nicht umbringt, sagte: "Nein", oder "Mit dem Zug"...

 

Also haben Karl und der Locus einen Weg ausgekundschaftet, der uns auf möglichst kurzem Weg und ohne eine Autobahn überqueren zu müssen, ins Zentrum bringt. Spannend! Fotos gibt es davon keine, denn wir waren mit Überleben beschäftigt...

 

Als wir in der Moschee vom Morgenruf im Morgengrauen geweckt werden, lauschen wir noch einmal den Männern, dann machen wir uns auf die Socken. Da dem Morgen jetzt gottlob schon später graut, haben wir bis 5:40 Schonfrist. Um 7 Uhr sind wir abfahrtsbereit. Wie schon erwähnt, lassen wir ein paar Kleinigkeiten für die Kinder und ein Dankschreiben zurück, mehr wollen sie nicht annehmen. 

 

Lange Zeit fahren wir heute durch dichten Eichenwald. Es ist ein riesiges Waldgebiet. Die Hügel hier sind zahlreich und die Türken halten nichts von flacher Streckenführung. Bei den Hunden sind wir schon viel entspannter, denn sie sind zwar riesig, aber bis jetzt ausschließlich friedfertig. Doch dann hat unser Übersetzer uns gestern wieder gewarnt. "Die Dorfhunde sind friedlich. Aber wenn Sie eine Herde sehen, müssen Sie vorsichtig sein. Die beißen. Die müsssen die Herde verteidigen." Na super!

 

Wir wenden wieder unsere gefinkelte Hundeabwehrmethode an, die wir extra für die Riesen-Hunde der Türkei entwickelt haben: Nennen wir sie - totstellen! Flach atmend, ohne nach links und rechts zu schauen, schleichen wir mit sparsamsten Bewegungen an ihnen vorbei, damit sie gleich sehen, dass es sich hier nur um zwei harmlose, nicht mehr ganz taufrische Österreicher handelt - ausländisches Gammelfleisch sozusagen...

 

Weiter unten, wo es genug Wasser gibt, wird Gemüsebau betrieben. Es wird bewässert und auf den Feldern wachsen Tomaten, Paprika, Kraut und Bohnen. Wir sehen auch zahlreiche Walnussbäume, wie bei den Schrabsis. Wenn sie noch nicht tragen, sind Melonen und Kürbisse als Unterpflanzung gepflanzt.

 

Wir haben extra einen Bogen geschlagen, um eine kleinere Straße zu nehmen, die nicht über die Hauptroute von Westen in die riesige Stadt hineinführt. So werden wir von Norden kommen und ersparen uns viele km Stadtgebiet und viel Verkehr. Nach 70 km kommen wir dann in eine größere Stadt, wo man schon Istanbul in der Ferne sieht. Hier wollen wir bleiben. Doch in der ganzen großen Stadt gibt es kein Hotel, kein Zimmer. Hier kommen einfach keine Fremden her, erklärt man uns. Erst in 16 km, in Sultanbacsi. Das ist schon ein Teil von Istanbul. Und dorthin fahren wir am Seitenstreifen einer sechsspurigen Schnellstraße. Ist nicht verboten, anscheinend auch nicht ungewöhnlich, denn erstaunte Blicke ernten wir keine. Man kann auch wirklich gut und sicher mit viel Platz fahren, nur bei den Auf- und Abfahrten muss man natürlich aufpassen, denn die müssen wir queren. Aber halb so schlimm, denn hier regt das einfach wirklich keinen auf.

 

Wirklich interessant wird es dann im Stadtgebiet von Sultanbacsi, als sich die Straße auf vier Spuren verengt und sich mehrmals verzweigt, wo wir jedesmal links (!) abbiegen müssen. Wirklich nachdenken, was wir hier eigentlich tun, dürfen wir nicht... Also: Wir warten am Seitenstreifen, bis sich im dichten Verkehr eine Lücke am ersten der zwei Fahrstreifen zeigt, deuten durch Handzeichen an,  was wir vorhaben und queren dann so schnell wie möglich die zwei Spuren der nach rechts Abbiegenden, um auf die erste der zwei linksführenden Spuren zu kommen. In Österreich käme jetzt eine Meldung im Verkehrsdienst über zwei Irre auf der Schnellstraße, hier findet das keiner irgendwie ungewöhnlich... Wenn sie uns sehen, fahren sie einfach ein wenig langsamer, bis wir drüben sind.

 

Das spielen wir mehrere Male über 16 km. Dann sind wir im Stadtgebiet von Istanbul angekommen und fahren auf normal verstopften Straßen weiter. Das ist unsere leichteste Übung...

 

Und dann sehen wir erstaunt, dass wir zwei Hotels zur Auswahl haben: Ein 4-Stern und ein noch nobleres. Sonst gibt es über km nichts anderes. Huch! Das wird unser Budget wohl übersteigen. Anfangs hätten sie gern 179 Euro für das Zimmer, sind dann aber mit 60 auch zufrieden.  Das ist unser Luxusgeschenk, das wir uns zur Erreichung unseres Ziels spendieren. Frühstück kriegen wir gratis drauf und kaum sind wir im Zimmer, kommt schon der Früchtekorb als Geschenk des Hauses. Die Badezimmertiegelchen versetzen Karin in Begeisterung, unsere Haare wissen schon gar nicht mehr, was ein Conditioner ist... Für solche Fälle haben wir eine Garnitur "für schön" (Karin mit Rock und Bluse), denn mit unseren sehr "reiseerfahrenen" Klamotten würden wir uns zu Tode genieren...

 

Und im nächsten Artikel geht es dann ganz ins Herz der Stadt, nach Sultanahmet, zur Blauen Moschee.

 


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