Kurban-Fest

Seit heute wird hier in der Türkei das höchste islamische Fest begangen - das Opferfest. Seit dem frühen Morgen ziehen Scharen von Männern an unserem Zimmerfenster vorbei zur Moschee.

 

In der arabischen Bezeichnung wird das Opferfest „Eid al-Ahda“ genannt. Es wird zu Ehren des Propheten Ibrahim gefeiert, der der muslimischen Überlieferung nach dazu bereit war, seinen eigenen Sohn Ismael Allah zu Ehren zu opfern. Allah hielt ihn demnach aber auf und teilte ihm mit, dass allein seine Bereitschaft zur Opferbringung schon genüge. In ihrer Dankbarkeit opferten Ibrahim und Ismael schließlich einen Widder. In Gedanken daran und an die Güte Allahs opfern Muslime auf der ganzen Welt zum Opferfest ein Tier. (Quelle: noz)

 

Schon um fünf Uhr Früh hallten heute die religiösen Sprüche aus den Lautsprechern der Moschee im Viertel - noch vor dem Morgengebet. Ab halb acht ziehen die Männer in die Moschee. Zum Opferfest werden auch die Gräber der Verstorbenen besucht, und es wird eben geopfert. 

 

Wer es sich leisten kann, soll ein Tier opfern: Rinder, Hammel,... Schweine natürlich nicht. Jemanden auf ein saftiges Schweinsbratl einzuladen, käme also nicht so gut an...

 

Drei Häuser weiter werden im Innenhof Rinder geschächtet. In Reihen liegen sie am Boden und hängen am Haken. Gegenüber, auf der Straße, ist eine lange Reihe Holzböcke aufgebaut, wo zahlreiche Männer nebeneinander das Fleisch grob zerlegen. Anschließend wird es in große Plastiksäcke verpackt. Blutgeruch liegt über der Gasse, die Abfälle liegen in großen Haufen auf der Straße und werden mit Sägemehl bestreut.

 

Das Fleisch wird am Abend mit Verwandten und Freunden verzehrt. Es wird gegessen und getrunken und in Dankbarkeit an Allah gedacht. Ein wichtiger Bestandteil ist auch, dass Fleisch an Bedürftige verteilt wird. 

 

Das Opferfest dauert bis zum 15. September, es ist hier in der Türkei auch Feiertag. Es scheint wie bei uns an Weihnachten zu sein, einen Tag zu Hause, einen Tag bei der einen Oma, einen Tag bei der anderen Oma und am Schluss kann keiner mehr was zu essen sehen... Wir sollten uns also auf unruhige Nächte einstellen, denn wir wohnen eben in einem sehr traditionellen Wohnviertel...

 

Es ist auch üblich, sich kleine Geschenke zu machen, gestern haben alle die Straße gewaschen (Weihnachtsputz) und in den letzten Tagen hatten die Frisöre Hochbetrieb, wahrscheinlich weil die Männer hingeschickt wurden ("zum Frisör kunntast a wieder einmal gehen, wie du ausschaust" und so)

 

Ab dem Vormittag schleppen die Männer Säcke mit großen Fleischteilen nach Hause. 

 

Als wir am Nachmittag nochmals durch die "Blutgasse" gehen, liegt schon ein sehr strenger Geruch in der Luft. Denn es ist den ganzen Tag weiter geschlachtet worden. Aus den Abfallhaufen (es liegen jeweils nur die Abfälle eines einzigen Tieres, der Rest wird sofort entfernt, und es wird ständig der Boden gewaschen) ziehen Frauen mit den Händen die Eingeweide und suchen die gschmackigsten Stückerl aus. Was aus den Därmen wird, erzählen wir euch morgen, und wenn Karin nicht der Mut verlässt, auch, wie es schmeckt.

 

Am Zerteilplatz steht ein seltsam gewandeter Mann im lila Anzug mit dreifarbigen Schuhen und begleitet das Ganze mit Gesang. Er scheint irgendeine offizielle Funktion zu haben, denn wir sehen ihn anschließend noch an anderen Orten im Viertel.

 

Ab dem Nachmittag düsen die Kinder durch die Gassen, sie bekommen in den Häusern Zuckerl. Auch bei uns steht eine Schale. Auch Karl bekommt ein Stückchen Schoki und wir einen Tee beim Wirt unseres Vertrauens. 

 

Außerdem schießen die Buben Kracher. Aber nicht wie zu Hause auf den Boden, sondern aus kleinen Plastikpistolen. Gibt echt einen fetten Sound.

 

Wir verzichten heute darauf, Fotos von den Schlachtungen zu machen, denn es handelt sich schließlich um einen religiösen Brauch und wir wollen niemanden verärgern.

 


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