Ein Paket aufgeben...

Unser erster gemeinsamer Ausflug nach Moshi town steht an. Karl war schon einmal alleine drin und durfte im Minibus mit einem lebenden Huhn reisen...

Zum Minibus geht man ein kurzes Stück zur Hauptstraße. Mit den Minibussen ist es wie beim Dolmus, sie fahren auf einer fixen Route, haben fixe Haltestellen, aber man kann sie auch dazwischen aufhalten. Egal, wie weit man fährt, man zahlt 400 Shilling, das sind etwa 20 ct. Es ist das billigste öffentliche Verkehrsmittel und echt cosy. Karins Höhepunkt aus zwei Fahrten: 22 Personen drin. Echt kuschelig!                       

 

Und man hat unterwegs so viel zu schauen. Da sind die schon erwähnten schön gekleideten Frauen, die soviel auf dem Kopf tragen. Es gibt metallene Lastenwagen, die geschoben werden. Überall wuselt es in den diversen Shops. Am Straßenrand liegen Schuhe (zum Verkauf), Gemüse, Handwerker haben ihre Shops und gehen ihrem Geschäft am Straßenrand nach - und es wird links gefahren. Gerade Karin kann sich da gar nicht daran gewöhnen und muss immer besonders aufpassen, wenn wieder ein boda-boda von der "falschen Seite" kommt. Fahren aber eigentlich alle gemächlich...

Doch wir sind ja hier, um ein Paket aufzugeben. Das Office unserer Wahl ist DHL. Sehr professionell verpackt man dort unsere Reisetasche mit warmen Klamotten in einen Sack, verschnürt ihn kunstvoll und dann ist bis aufs Zahlen alles erledigt. Echt? Gibts das? 

 

Natürlich nicht. Denn die Gebühren für diesen Super-Service betragen 232 Euro!!! OK, packen wir das Ding halt wieder aus! Was denn der Sack kosten würde, damit wir uns das Aus- und Einpacken sparen können? 15 Dollar!

 

Ohne Sack verlassen wir das kompetente Team. Nicht ohne vorher bewundert zu haben, was andere Leute so mit DHL schicken. z. B. zwei Klobesen!!!

 

Auf zum örtlichen Postamt. OK, aber einen Karton müssen wir kaufen. Wo es den gibt? Rund um den Busbahnhof. OK, wir stiefeln einmal rundherum - kein Shop in Sicht, der sowas hat. Da dämmert uns: Jetzt müssen wir kreativ werden. Vor einem Shop inspizieren wir die alten Schachteln, die heraußen liegen, treffen unsere Wahl und dann beginnt das Handeln. 15.000 Shilling wollen sie zu Beginn - wir einigen uns auf 2000. 

 

Somit stolze Besitzer eines Kartons begeben wir uns zum Postamt. Kunstvoll verkleben wir unser Schmuckstück. "Fein", strahlt der Beamte. "Aber jetzt müssen wir reinschauen. Für den Zoll!" Also wieder aufschneiden. Die Zollbeschau ergibt wirklich nur Klamotten und auch in den Thermoskannen ist wirklich nichts drin. "And what is this?" Erstaunlicherweise stellt ihn die Antwort "A stone" zufrieden. Vom Berg der Berge für unsere Steinesammlung...

 

Weiter gehts zum nächsten Schalter. Nun noch ein Blatt mit Absender und Empfänger, die Zollerklärung und die Kopie der ID. ??? Eine Passkopie muss her. Gibts auch "around the bus station". Durch einen engen dunklen Stiegenaufgang, in dem seltsame Typen lungern, geht es in den ersten Stock, und dort steht tatsächlich ein Kopierer. Es wird nicht mal versucht, einen höheren Preis zu verlangen.

 

Zurück zum Postamt unseres Vertrauens. Wieder kunstvoll verklebt und mit diversen Zetteln verziert, können wir jetzt zahlen. Deutlich weniger!!! Aber das Geld müssen wir erst vom Bankautomaten holen. UND DANN: Geht unser Paket auf die Reise! Ob wir es je wiedersehen? Wir haben den Eindruck, "ein Paket aufgeben" kann zwei Bedeutungen haben...

 

Jetzt haben wir uns aber was Feines verdient. Zur Feier des Tages geht es ins Restaurant. In einem guten kostet das Essen mit Getränken für zwei ungefähr 10 Euro. Die Straßenküche ist natürlich deutlich billiger. Huhn in Kokossauce und Fisch mit Gemüse, Salat und Fries machen uns glücklich.

 

Dann gehen wir Malarone kaufen. Wir wollen ein Medikament für den Ernstfall parat haben, da wir ja keine Prophylaxe nehmen. Vor den kleinen Apotheken am Stadtrand hat man uns gewarnt: Die verkaufen oft nur Placebos, Zuckertabletten. Auch hier ist es nicht so einfach. Denn die Karte will nicht funktionieren! Na ja, die muss die Kassiererin halt aus der Plastikhülle nehmen, um sie stecken zu können...

Nun noch schnell einige Kleinigkeiten besorgen, dann darf Karin wieder Minibus fahren, was sie mit Begeisterung macht. Die boda-boda fahren einen zwar von Tür zu Tür, machen aber deutlich weniger Spaß. Obwohl Karl das auch witzig gefunden hat.

 

Heute gibt es zum Abendessen Linsen-Pilau mit Gemüse. Das ist ein Reiseintopf mit schon erwähnten Zutaten. Als Nachspeise gibt es immer Früchte und ein Salat gehört auch immer dazu: Cook it, peel it or forget it? Forget it! Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Der Tomatensalat kommt mit Zwiebeln und grüner Pili-Pili-Sauce scharf daher. Der Magen verträgts. Schmeckt jedesmal super!

 

Neulich hatten wir superleckeren Fisch in einer Sauce mit Okra-Schoten und einem Gemüse, das ich jetzt nur auf Suaheli weiß und das habe ich vergessen. Das sah aus wie kleine grüne Cocktail-Tomaten mit vielen Kernen drin, war aber was ganz anderes. Dazu gab es "local spinach". Es wurde eine Art Spinat aus den Blättern der Süßkartoffeln mit Tomaten und Zwiebeln gekocht. Sehr gut! Und jede Menge Reis und Tomatensalat.

 

Auch Cassava, Kochbananen, wilde Tomaten und Leber in Sauce haben wir in Tansania schon gegessen. Und Ugali. Muss man auch einmal probieren. Aber dieses eine Mal reicht! Ugali kann man aus geschältem und ungeschältem Mais kochen, laut Michael gibt das ungeschälte mehr Kraft.

 

Beim Essen haben wir oft interessante Gespräche. Heute kommen wir auf Hexen, an die manche Leute im Süden glauben. Manche schicken Leuten, die sie beleidigt haben, Schlangen ins Haus und manche können fliegen... Wenn wir es recht verstanden haben, auf Reiskochern... Jedenfalls erzählen Leute, die hinfallen, dass sie geflogen sind....

 


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