Nach Namibia

Die Nacht am Flughafen Daressalam verbringen wir über drei Sitzplätze ausgestreckt. Karin schläft die meiste Zeit. Sie hat auf dieser Reise die nützliche Angewohnheit entwickelt, Wartezeiten einfach zu verschlafen. Sehr praktisch... Das denkt auch die Flughafenangestellte, die vor dem Klo in Warnweste und Uniform zugedeckt am Boden liegend schläft... Die ganze Nacht! Als wir aufbrechen, rappelt auch sie sich verschlafen auf. Wahrscheinlich ist ihre Schicht jetzt zu Ende, und sie darf heimgehen...

Und dann beginnt unsere Odyssee. Denn es ist viel billiger, von Moshi nach Dar mit dem Bus und dann nach Addis-Abbeba in den Norden, von da nach Johannesburg und anschließend nach Windhoek, Namibia zu fliegen, als direkt. Ist halt die dreifache Strecke... Voll gestört und aus Umweltschutzgründen echt verabscheuungswürdig! 

 

Um 2 Uhr nachts beginnt der Check-In. Zuerst sitzt da ein very wichtiger Maxl, der prüft, ob man für das Land, in das man will, ein Visum braucht. Was ihn das eigentlich angeht, bleibt unklar. Wir wissen, dass wir weder für Namibia, noch für Südafrika eines brauchen. Das kann er gar nicht glauben. Unter Zuziehung eines zweiten wichtigen Maxls und einer untätigen, aber hochinteressierten Zuseherin, blättert er ewig lang in einem dicken Buch. Schließlich findet er heraus: Wir brauchen weder für Namibia, noch für Südafrika ein Visum. Na bumm! Da schaun wir aber jetzt! Darauf wären wir nie gekommen!

 

Also auf zum Check-In. Dort sitzt ein netter junger Mann, der hoch erstaunt ist, dass wir weder für Namibia, noch für Südafrika ein Visum brauchen. Das gibt es doch nicht! Auf zu dem wichtigen Maxl mit dem dicken Buch, und der Fall wird eingehend besprochen... Ein zweiter Schalter wird in das Ereignis eingebunden und kaum eine halbe Stunde später ist allen klar, dass wir weder für Namibia, noch für Südafrika ein Visum brauchen. Na bumm, da staunen wir aber!

 

Dann dürfen wir unser Gepäck aufgeben und hoffen, dass wir diesen Ausdruck nicht wörtlich nehmen müssen. Der Sicherheitscheck zeigt uns dann, dass wir beim Einpacken unseren trotteligen Tag hatten und sowohl No-bite, als auch Schere (im Erste-Hilfe-Packerl) im Handgepäck haben. Langes Diskutieren überzeugt den Beamten, dass wir beides unbedingt zu unserem persönlichen medizinischen Gebrauch brauchen. Doch beim Wühlen findet der Beamte etwas, das wir auch ganz, ganz bestimmt nicht haben dürfen. Klebeband - damit könnten wir ja jemanden fesseln. Ja, eh! Sorgsam verstaut er es auf seinem Schreibtisch, wir nehmen an, damit er es nach seiner Schicht mit nach Hause nehmen kann.

 

Der Flug nach Addis verläuft ereignislos, bis auf die Tatsache, dass wir 20 Minuten früher fliegen, weil schon alle da sind. Gut so, denn in Addis haben wir nur 45 min, um das Flugzeug zu wechseln. Ginge sich auch leicht aus, wenn das Handgepäck, das schon in Dar überprüft wurde, nicht nochmals gecheckt würde. Hier haben wir einen Beamten zu überzeugen, dass unsere Schere auch gewiss nicht gefährlich, weil abgerundet, ist. Sieht er auch sofort ein. Na bitte! Das No-bite findet er nicht, und Klebeband haben wir ja keines mehr... 

 

Das Flugzeug ist fast voll, obwohl riesig, sodass Karin nur über zwei Sitze schlafen kann und nicht wie beim Raufflug über drei. 

 

Nach ungefähr sechs Stunden kommen wir in Johannesburg an. Dort müssen wir unser Gepäck holen und dann wieder einchecken. Das Witzige (?) ist, dass wir vorher durch die Immigration müssen, obwohl wir gar nicht in Südafrika bleiben wollen. Fotos werden gemacht, Fingerabdrücke genommen und ein elektronischer Gesundheitscheck gemacht. Dann befindet der Beamte, dass wir drei Monate für den Transit brauchen dürfen und stempelt das in unsere Pässe... Hoffentlich brauchen wir auf diesem Flughafen nicht wirklich so lange...

 

Sind wir in Dar früher abgeflogen, so haben wir hier eine Stunde Verspätung, obwohl schon alle im Flugzeug sitzen. Der Flug ist wieder ereignislos, außer dass die erste Reihe Rotwein (ist gratis) bestellt und fast alle es nachmachen... Bei uns in der dritten Reihe ist die Flasche nachher leer. Das passiert auch beim Nachfüllen und schon bald herrscht beschwingte Stimmung an Bord. Zumindest in den ersten drei Reihen...

 

Beschwingt entern wir das Flughafengebäude und freuen uns, unser Gepäck wiederzusehen. Dann auf zur Einreisebehörde. Irgendwo haben wir gehört, dass wir für Namibia bis zu drei Monaten kein Visum brauchen. (Wo wohl?) Doch dann haben wir das bisher unangenehmste Grenzerlebnis. Die beiden harschen Damen erklären uns, dass wir keine drei Monate haben können, weil wir kein Ausreiseticket haben. Dann fragen sie noch sehr harsch nach, wo wir wohnen werden und als Karl nicht gleich die Hausnummer weiß, droht die Stimmung zu kippen... Karin fliegt als Friedensengel zwischen den Fronten, bis die Flügerl glühen, denn die beiden Ziegen können uns die Einreise ganz verweigern.

 

Dann fällt uns ein, wie wir die Ausreise nachweisen können: Wir haben ja schon die Gorilla-Trackings ins Uganda gebucht. "What is gorilla-tracking?" keift es von dem Schalter hervor. Nachdem sie das endlich kapiert hat, hat Karin plötzlich die drei Monate im Pass, während Karl noch immer nur 10 Tage erwünscht wäre... Karin redet in Engelszungen auf die zweite Gurke ein,  und dann darf auch Karl drei Monate bleiben... Mensch!

 

Dann geht es aber erfreulich weiter. Wir haben im Internet ein Appartment gebucht und um Flughafenabholung gebeten, da es schon wieder nachts ist. Der Vermieter hat zwar nicht geantwortet, ist aber pünktlich da. Er ist eine Frohnatur, als Chef der Nachrichtenabteilung eines privaten TV-Senders very wichtig und kennt viele Leute. Dadurch kann er uns bei der Wagenmiete helfen, denn erschwingliche Autos sind so gut wie ausgebucht...


Wir freuen uns über eure Kommentare, Anregungen, Fragen...

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Kommentare: 3
  • #1

    Mama (Samstag, 08 Oktober 2016 19:23)

    Das war ja eine schwierige Anreise.Ja wer halt eine Reise tut der kann dann was erzählen.Viel Glück weiterhin.

  • #2

    Martina G. (Freitag, 04 November 2016 16:35)

    Zum Lesen sind eure Erlebnisse voll lustig, aber ich glaube, euch war nicht so zum Lachen zumute.

  • #3

    Josefine R. (Sonntag, 27 November 2016 10:28)

    Eure Reise ist mit ziemlichen Schikanen und Hürden verbunden, die ihr aber gefingelt löst. Hut ab!