"Expressbus" nach Kampala

Um sieben soll unser Express abfahren, Boarding ab halb sieben. Als wir gemütlich eintrudeln, ist der Bus fast voll, um zwei nach sieben fahren wir. Ja sind wir denn noch in Afrika? Da kommen wir ja wirklich um sechs Uhr abends an, wie man uns gesagt hat. Warum es dann trotzdem 15 Stunden wurden, weiß keiner, aber es waren 15 Stunden Erlebnis. Es gibt schöne und andere…

 

 

Die ersten 10 Stunden sind auch eine Freude. Wir bekommen die zwei Plätze neben dem Fahrer und haben somit jede Menge Platz. Die ersten Stunden fahren wir durch Karamojong-Dörfer. Der Asphalt endet kurz hinter Moroto. Der rumpelnde Feldweg lässt kaum einmal 30 km/h zu. Da es noch kühl ist, sind die Leute alle in ihre Decken gehüllt. Das Beförderungsmittel Nr. 1 ist das Fahrrad. Älter als unsere Waffenräder, werden riesige Lasten damit befördert. Man kann dann aber nicht mehr fahren, nur mehr schieben. 

 

 

Kleine Buben fahren, das Bein über die Stange gehängt, eine Hand umklammert den Sattel, die andere die Lenkerstange, denn zum Sattelsitzen sind sie noch zu klein. Die Karamojong fahren in ihre Decken gehüllt, ihre Holzstäbe in der Hand, oft das spaßige Hütl am Kopf.

 

Die Gegend um Moroto war sehr trocken. Da gedeiht kein Gemüse. Und die Hirten waren mit den Herden fort, beim Wasser. Heute sehen wir sie mit ihren Rinderherden, denn es ist hier feuchter und grüner. Auch die Karamojong trinken zu besonderen Gelegenheiten das Blut ihrer Tiere mit Milch vermischt. Aber nur sehr selten, sonst würden die Tiere ja eingehen. Es ist nicht, wie manche glauben, ihre Nahrung.

 

Wie gerne wären wir jetzt mit dem Fahrrad hier, um immer stehen bleiben und fotografieren zu können. Mit dem Bus rasen wir durch die Dörfer wie die geflügelte Wildsau. Der wichtigste Teil des Autos ist die Hupe. Dann flüchten Fahrräder und Bodas an den Straßenrand, Kleinkinder, Ziegen und Omas werden in Sicherheit gebracht, und alles wird von unserer Staubwolke verschluckt. Die Hühner müssen auf sich selbst aufpassen. 

 

A propos Hühner: Allmählich wird das Ganze ein Chicken-Run. Weil unser Express ja pünktlich gestartet ist, hat einer den Bus verpasst. Seine Hühner über die Lenkerstange des Bodas gehängt, fahren sie uns zur nächsten Haltestelle nach. Der Gepäckraum ist schon voll, also reisen die Gackeranten eine Reihe hinter uns. 

 

An einer anderen Station hat einer gleich 20 lebende Hendln mit. Das ist jetzt doch zu viel für den Passagierraum. So werden sie zu unserem Gepäck aufs Dach verladen. Da sind sie wenigstens an der frischen Luft;)

 

 

Unser Fahrer ist ein ganz netter. Er schenkt uns gleich mal Sim Sim. Das wird hier verkauft. Sesamkörner mit etwas Honig vermischt und zu Keksen oder Kugeln gepresst. Natürlich teilen wir dann auch unsere Erdnüsse mit ihm. Außerdem fährt er zwar rasant, aber nicht unvernünftig. Gut für uns, denn in der erste Reihe haben wir ja freie Sicht auf das Desaster. Aber es kann ja nix passieren, denn eine Reihe hinter uns reist der Herr Pfarrer. Das sollte für göttlichen Beistand reichen…

 

An den Haltestellen strömen die Händler an den Bus.  Verhungern ist also ausgeschlossen. Da die Sachen hier viel billiger sind, als in Kampala, kaufen die Leute hier groß ein. Unser Fahrer kauft gleich sechs riesige Säcke Holzkohle, die auch noch aufs Dach müssen. Und zwei Säcke Zwiebeln. Auch wir erstehen einen Drei-Kilo-Sack Mangos für den Preis einer einzigen Mango in Kampala. Und das sind immerhin 25 ct.

 

Wovor wir heute nicht die Augen verschließen können, ist das Elend und die dreckigen Lebensbedingungen in den Städten. Schon in Moroto waren wir ja in wirklich wilden Gegenden, in großen Städten wie Mbale und Soroti ist es noch übler. Lieber in der einfachsten Grashütte, als so dicht gedrängt in Dreck und unbeschreiblichem Lärm wie in der Stadt.

 

Auf dem Foto seht ihr den Bushalt in Mbale. Verkäufer, Lokale, dahinter wird Altmetall händisch oder mit einer Scheibtruhe ohne Beine auf einen Laster verladen.

 

 

Allmählich wird es „zaach“. Die diversen Einkäufe und Stopps kosten Zeit. Einmal muss die Batterie aufgefüllt werden, und einmal passiert das worst-case-Szenario: Die Hupe versagt! Gottlob kann der Fahrer das reparieren, denn wenn dieser wichtigste Busbestandteil kaputt wäre, hätten wir sicher den Bus wechseln müssen.

 

Die Pieselpausen sind selten, also traut sich Karin fast nicht zu trinken. In einer Stadt fragt sie in einem Lokal, aber die haben keine Toilette. Was sie denn tut, wenn sie muss, fragt Karin die Besitzerin. „Dann gehe ich heim“.

 

Beim nächsten klappts. Freundlich wird Karin das Loch im Boden im Hof gezeigt, das mit Vorhang abgetrennt ist. Solche Stopps sind ganz normal, wenn der Bus be- und entladen wird, hat jeder Zeit, seinen Bedürfnissen nachzugehen...

 

Einen außerplanmäßgen Stopp müssen wir noch einlegen. Wir haben eines der am Dach mitreisenden Hühner verloren! Gottlob bemerkt es einer so rechtzeitig, dass wir den Flüchtling noch einsammeln können…

 

Dann wird es dunkel: „Vermeiden sie Busfahren im Dunkeln!“ Ja eh“ Hätten wir ja, denn finster wird es erst um sieben. Aber da sind wir halt noch weit von Kampala entfernt. Gefährlich ist eigentlich nur die Dämmerung, denn da fahren alle ohne Licht.  Dann blenden sie kurz auf, wenn sie uns auf unserer Spur entgegenkommen. Irgendeiner weicht dann aus. Hoffentlich…

 

Aber wirklich gefährliche Situationen erleben wir gottlob nicht. Irgendwann laden wir die nun halbtoten Hühner ab, die sich stoisch bis flügelschlagend in ihr Schicksal fügen. Wir tun es mangels Flügeln stoisch…

 

Gegen halb 10 reiten wir in Kampala ein. Ja, ja, in eine Großstadt in einem Entwicklungsland soll man auch nicht im Finstern kommen. Schon gar nicht ohne ein Quartier gebucht zu haben. Bla, bla…

 

Wir marschieren auf Verdacht die 500 m zu dem Hotel, in dem wir zuletzt waren. An einer Kreuzung verlieren sich Karin und Karl im dichten Menschengewimmel. „Come, come“, sagt einer zu Karin. Na aber sicher nicht. Aber da kommt er auch schon mit Karl an der Hand. Der Gute hat den Überblick über die beiden Bazungu behalten und so klappt die Familienzusammenführung. Danke schön! 

 

Im Hotel bekommen wir mit Glück noch zwei Einzelzimmer, weil sich die Dame noch an uns erinnert und glaubt, wir haben wieder gebucht. Ein Bier und ein Cola zum Entspannen an der Bar, What`s Apps an Familie und Freunde, damit auch die sich entspannen – und dann: Ruht!

 


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