Wir besuchen die Karamojong

Die Karamojong leben im Gebiet um Moroto, nahe der Grenze zu Kenia. Dieses Volk lebt noch sehr ursprünglich in Krals. Die Männer hüllen sich in Decken. Sie wollen wir heute besuchen.

 

Doch zuerst steht Wäschewaschen auf dem Programm. Wie schön ist es doch zuhause: Du stopfst die Wäsche in die Maschine, Waschpulver rein, Programm wählen und bald darauf ist alles fertig. Hier muss man zuerst ein paar Schaffeln organisieren, Wasser holen, die Wäsche einweichen, dann mit der Bürste schrubben, spülen, auswinden, aufhängen – und schon ist eine Stunde vorbei. Die afrikanischen Frauen machen das täglich – ein Leben lang!

 

 

Dann besuchen wir den hiesigen Markt. Es ist das wüsteste Viertel, das wir bis jetzt gesehen haben. Man kann es getrost Slum nennen, denn die Leute wohnen auch dort, in den armseligsten Verschlägen, die uns je untergekommen sind. Erst schauen sie skeptisch, aber als wir uns fritttierte Reisbällchen kaufen und das Flip-Flop-Angebot prüfen, werden sie freundlich. Der Magen verträgt es, und wir probieren auch frittierte Yamswurzeln und hauchdünne Palatschinken. So kostet unser Mittagessen heute für beide zusammen 23 ct. Die Leute hier sind wirklich bitterarm, die Kinder tragen Fetzen, Dreck überall. Wir sind froh, dass wir die Kamera in der Tasche verstaut haben, denn Leute in diesen Lebensverhältnissen zu fotografieren und zu verärgern oder zu beschämen – da würden wir uns schämen.

 

Anschließend fahren wir mit dem Boda in ein Karamojong-Dorf. Rund 80 Menschen leben hier in zahlreichen Rundhütten aus Stroh. Wie bei den Himba begrüßt uns hier ein Dorfältester und erlaubt uns, einzutreten. Auch hier wird gekocht – Antilopenfleisch. 

 

 

Es gibt Vorratsbehälter aus Ton mit Strohdeckel – für Sorghum, die hiesige Getreideart. Das wird getrocknet, gemahlen und daraus wird Brot gebacken.

 

 

Auch Kürbisse werden gezogen – ausgehöhlt ergeben sie Behälter und Krüge.

 

 

Gekocht wird hier im Freien am Feuer – es regnet ja fast nie.

 

 

Manche Menschen tragen Schmucknarben.

 

 

Beschnitten werden hier nur die Männer. In Sipi bei den Sabin gibt es auch die weibliche Genitalbeschneidung, „damit die Frauen nichts fühlen und treu sind“ (Originalerklärung eines schwarzen Mannes). Es gibt aber eine Kampagne der Regierung, diesen fürchterlichen Brauch abzuschaffen.

 

Tamarinde wird auch zum Kochen verwendet.

 

 

Sorghum wird auch eingemaischt und daraus ein alkoholisches Getränk gebraut. Da sitzen dann alle rund um die Schüssel und trinken aus Strohhalmen daraus.

 

 

Die Männer schnupfen Tabak.

 

 

Wasser holen die Menschen noch immer aus Wasserlöchern. In anderen Dörfern haben sie Brunnen mit einem Wasserhahn, an dem sie Kanister füllen.

 

 

Die Kinder sind einfach unbeschreiblich dreckig, und wenn sie Kleidung tragen, hängt sie in Fetzen. Aber sie haben unheimlichen Spaß, als Karin mit ihnen fangen spielt. Und alle haben Freude, sich selbst am Display des Fotoapparats zu bestaunen.

 

 

Dann fahren wir noch in ein zweites Dorf näher an der Stadt. Aber dort leben die Menschen nicht im Kral, sondern in Hütten. Auch hier Armut an allen Enden.

 

In diesem Gebiet treffen wir erstmals auf die verschiedensten Entwicklungshilfeorganisationen. Zu erkennen daran, dass sie weiße Toyota-Landcruiser fahren und in den teuren Hotels logieren. Wir stehen dem extrem kritisch gegenüber und rechnen immer wieder aus, wie viel Geld man in sinnvolle Projekte investieren könnte, wenn die lieben Entwicklungshelfer auch nur einen Toyota verkaufen und mit dem Boda fahren und in günstigen Guesthouses wohnen würden…

 

Wie immer wird, wo "milde Gaben" verteilt werden, gebettelt. Aber nicht aggressiv. Bisher sind wir in Afrika weniger angebettelt worden, als bei einem Gang durch St. Pöltens Fuzo. Hier ist das erstmals anders.

 

Bei  einem wie gewohnt riesigen Abendessen diskutieren wir die vielen Erlebnisse des heutigen Tages. 

 

 


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