Arm und reich

Vom vordersten Wagen werden in essbaren Schälchen Speisen verteilt. Trommler begleiten das Ganze. Mädchen tanzen. Zuerst denken wir an einen Hochzeitszug. Doch es könnte sich auch um eine religiöse Zeremonie handeln, den im nächsten Wagen brennt eine Kerze, und die Zuseher werfen Blüten und Rosenblätter darauf. Diese bunten Blüten und Rosen sehen wir heute überall in den Gassen zum Verkauf. Die Rosenblätter duften herrlich.

 

Trommeln kündigen den nahenden Umzug an. Menschenansammlungen meiden? Ja natürlich! „Hey, da ist was los!“ Bsssst! Und schon sind wir mitten drin.

 

 

Zwei Straßen weiter wieder Trommeln, nur die Gerüche sind „erdiger“. Eine Bettlerfamilie hat sich am Gehsteig niedergelassen. Die Frauen trommeln, die Kinder mit aufgeschminktem Schnurrbart zeigen Handstandüberschlag und Rad – Kunststücke, für die sie sich ein paar Münzen erhoffen. Doch wir sollen heute noch Übleres sehen.

 

Mit dem Tuk-Tuk fahren wir zum Grab Humayun´s. Diese monumentale Grabanlage aus dem 16. Jahrhundert zeugt von vergangener Pracht und Reichtum. Das Hauptgebäude ruht auf einem mächtigen Sockel und ist von riesigen Gartenanlagen mit zahlreichen Wasserbecken umgeben. Einige Nebengebäude enthalten auch weitere Grabmäler.

 

 

Eine Unzahl von in Schuluniformen gekleideten Mädchen bevölkern das Gelände. Hier passiert, was uns an Westrumänien erinnert -  wir sind der Star. Kreischend stürmen sie in Horden auf uns zu, wollen Hallo sagen, uns die Hand geben und sich mit uns (besonders mit der Schönen aus dem Abendland) fotografieren lassen. Vielleicht wollen sie zu Hause aber auch nur sagen: „Schau Mama, so schiach san de Ausländer“. Bei zehn geht es ja noch, aber wenn es Hunderte sind, hält man das echt im Kopf nicht aus.

 

 

Froh darüber, dass wir nicht berühmt und immer so begehrt sind, machen wir uns auf den Weiterweg. Dabei kommen wir in eine wirklich üble Straße. Die „Glücklichen“ konnten sich noch einen Verschlag aus Stofffetzen bauen, der etwas Privatsphäre zulässt, andere liegen in Decken gehüllt einfach auf der Straße, und einer hat sich tatsächlich auf einem riesigen Müllhaufen zum Schlafen gelegt. Hier duftet es nicht mehr nach Rosenblättern. Zuhause müssen wir aufpassen, nicht in Hundehaufen zu treten, hier erleichtern sich die Menschen direkt auf den Gehsteig, dementsprechend vorsichtig setzten wir unsere Schritte.

 

 

Nur einige Hundert Meter weiter Luxushotels wie The Oberoi, wo das Zimmer über 300 und die Luxussuite über 3000 Euro pro Nacht kostet.

 

Dann nehmen wir ein Tuk-Tuk nach Hause. Durch den extremen Smog, die schlechte Luft und den Abgasgestank wird Karin richtig übel. Ein Schläfchen im ruhigen Hotelzimmer und gutes Essen machen es wieder gut. Wir essen jetzt wie die Inder um Cent-Beträge an den billigen Straßenständen. Unser durch afrikanische Straßenküchen gestählter Magen-Darmtrakt (böse Zungen würden jetzt vielleicht Saumagen sagen) zuckt nicht einmal mit dem Ohrwaschel. Das einzige Problem für Karins gastritisgefährdeten Magen könnte die Schärfe werden. Die reicht hier von gerade angenehm würzig über "puhh, ist das scharf", bis zum absolut Gaumenzapferl-versengenden Höllenspektakel. Das treibt uns das Wasser in die Augen und lässt uns wie Grisu Feuer spuken.

 

Morgen werden wir mit dem Zug nach Agra fahren, um das berühmte Taj Mahal zu bestaunen. Dann  geht’s nach Vārānasi zu den Ghats und Verbrennungstätten der Hindus.

 


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