Von Tempeln und heiligen Männern

Es zieht uns wieder zu den Ghats. Hier findet das spirituelle Leben Varanasis statt, hier finden wir Tempel und heilige Männer, heilige Kühe und Verbrennungen… Ein buntes Bild, wo wir vieles sehen, aber vieles nicht verstehen. Eine komplett neue Kultur…

 

 

Am Morgen waschen sich die Hindus im Ganges. Der heilige Fluss wäscht von allen Sünden rein, so dreckig er auch sein mag. Die Männer baden in Unterhose oder Handtuch, die Frauen bekleidet im Sari. Ein erfrischendes Vergnügen bei den jetzigen Temperaturen, bei denen wir schon in Gedanken Ganslhaut bekommen. Niemals wieder werden wir lachen, wenn wir im Sommer in Österreich einen Afrikaner mit Pudelhaube sehen, niemals wieder!

 

 

Auf den Stufen beim Hauptghat sitzen heilige Männer und solche, die es sein wollen. Die wahren Asketen erkennt man an der Körperfülle ;) Die Menschen verneigen sich mit gefalteten Händen, manche geben eine kleine Spende. 

  

 

Immer wieder sprechen uns Leute an, nur um sich zu unterhalten oder uns etwas zu erklären. So wissen wir jetzt, dass auf den nächsten Fotos Leute zu sehen sind, die eine Puja (Andacht) für Verwandte abhalten, die nicht in Varanasi gestorben sind. Ein Brahmane leitet die Zeremonie, es wird  gebetet, die kleinen Reiskügelchen werden mit Gangeswasser übergossen und mit Blüten nachher in den Ganges gegeben.

 

 

Wir erstehen ein kleines Schälchen mit Blüten und einem Kerzerl. Wir setzen es in den Ganges und bitten um gesunde, wohlbehaltene Heimkehr.

 

 

Am zweiten Verbrennungsplatz sieht es fürchterlich aus. Überall liegen riesige Müllhaufen, dazwischen die Verbrennungen. Der menschliche Körper als Abfall, deutlicher kann man es nicht zeigen. Während es gestern eher besinnlich war, wirkt das hier für uns sehr roh – und ernüchternd. Das ist, was bleibt: Ein Stück wertloser Abfall – wenn man keinen Glauben hätte.

 

 

Nachdenklich schlendern wir zum Goldenen Tempel, dem Vishwanath Tempel. Es ist der wichtigste Tempel Varanasis. Die "Türme" sind vergoldet. Man kann frei herumgehen, wird aber von den Massen der Gläubigen ziemlich durchgeschoben. Da man alle elektronischen Geräte, Kameras und Taschen draußen abgeben muss, haben wir auch keine Fotos. In einer langen Schlange gehen wir zuerst in den Haupttempel. Am Eingang zieht man eine Glocke. Innen werden die Spenden (Blumen) oder Geld abgegeben (freiwillig). In einer milchigen Flüssigkeit schwimmen Blütenkränze. Einen davon fischen sie für Karl raus, und er bekommt ihn umgehängt. Von einem von der Decke hängenden Gebilde kann man sich eine Art – ich sage mal – Lehm wischen und einen Punkt auf die Stirn machen. Später sagt uns ein Mann, dass wir deshalb „lucky“ seien. Es gibt noch andere Altäre, denn die Inder haben viele Götter. Für Ganesha, den Elefantengott, und, und… Aber zu vieles verstehen wir nicht, müssen wir nachlesen, ist uns fremd.

 

Da unsere Bäuchlein einsehen, dass sie entweder spuren oder verhungern, beenden wir unsere eintägige Bananen-Toastbrotdiät und essen leckere vegetarische Momos (eigentlich was Tibetisches) bzw. hat Karl gebackene Spinatblätter, aber mit einer ekelig süßen Chilisoße.

 

Am Abend sitzen wir wieder am Haupt-Ghat, wo eine große Zeremonie aufgeführt wird. Es sind viele Leute da, auch von Booten kann man das Geschehen beobachten. Zu religiösen Gesängen führen Priester eine Art langsamen Tanz mit verschiedenen Gegenständen durch: Blumen, Kerzen, Räucherwerk, Wedel, Pfauenfächern…

 


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