Patschnass

Keinen trockenen Faden mehr am Körper, starren wir ungläubig auf die Wetterprognose, die unverdrossen 0 % Regen für heute anzeigt. Bei bewölktem Himmel… Ja, stimmt. Bewölkt ist er, nur dass es aus eben diesen Wolken seit sechs Stunden schüttet. Nicht so schlimm, wenn man 17 Stunden Bus fährt. Ein bissi blöd, wenn man mit dem Motorrad durch die Berge will…

 

Nach guter Nacht, die nur gestört wurde, als die Jäger heimkamen, beginnt es in der Früh zu schütten wie aus Kübeln. Super! Da zeigt sich, wie wichtig richtige Ausrüstung ist. Wenn man sie denn mithätte... Dem Wetterbericht vertrauend, haben wir zwar lange Hose und Regenjacke mit, Karin auch eine Regenhose, aber Karl hat auf die seine verzichtet und Karin auf feste Schuhe bei 37 Grad, als wir losgefahren sind. Sehr schlau! 

 

Wir fahren los, sobald es etwas heller wird. Nach zwei Km beginnt es zu schütten. Nach einer halben Stunde kann Karl nicht mehr weiterfahren, weil er einfach nichts mehr sieht. Helm haben wir natürlich, aber leider kein Visier. Sehr schlau!

 

Nach einer Stunde Pause unter dem Dach eines Versammlungsgebäudes sehen wir ein, dass wir hier Wurzeln schlagen, wenn wir darauf warten wollen, dass der Regen aufhört. Also weiter! Karl setzt ein Kapperl unter dem Helm auf, damit der Schirm den Regen etwas vom Gesicht abhält. Die nächsten km versäumen wir nichts, es ist die gleiche Strecke wie gestern.

 

Dann geht es wieder steil in die Berge mit engen Kurven und einer fürchterlichen Straße. Riesige Schlaglöcher, so tief, dass man darin ein Freibad bauen könnte, teilweise ist häusergroß der Asphalt weggebrochen. Sehr gefährlich. Immer wieder kommen uns LKW mitten auf der Straße entgegen, da sie so besser durch die engen Kurven kommen.

 

In den Dörfern sind die Menschen zwar alle in den Häusern, aber das hindert weder Kühe, noch Hunde, Ziegen und Hühner, in Massen über die Fahrbahn zu laufen. Die Strecke durch das Gebirge ist wunderschön, leider aber wolkenverhangen. Von einem Aussichtspunkt hat man einen tollen Blick auf Berge, Berge, Berge. 

 

 

Nach Stunden endlich eine Regenpause. Wir suchen uns ein Nudelsuppenlokal. Diese Lokale haben ausschließlich Nudelsuppe auf dem Programm, riesige Schalen mit Reisnudeln, Fleisch, Gemüse und einem Teller mit Salat und Minze und Zitrone, das man nach Geschmack in die Suppe rührt.

 

Nach Suppe und Tee wird uns wieder halbwegs warm, denn wir sind total durchfroren. Karls Hose ist tropfnass und durch Karins Flip-Flops rinnt das Wasser ungebremst. Zwar hat sie Sandalen, aber mit denen musste sie gestern durch den Bach waten. Und das mit dem „Vor der Haustür trocknen“ hat wegen des Regens nicht geklappt.

 

Und als wir endlich wieder ein wenig warm sind - genau- beginnt es wieder zu schütten. Jetzt reißen wir nur mehr so schnell wie möglich die Kilometer runter, den See, den wir besichtigen wollen, lassen wir links liegen und fahren rechts daran vorbei. Mit jeder Kilometeranzeige, die uns Thakhek näherbringt, wird es uns wärmer ums Herz – und kälter um die Zehen. Hoffentlich hat unser Hotel noch ein Zimmer frei!! Denn wir konnten das Zimmer nicht reservieren. Und das kam so:

 

"Wir fahren jetzt den Loop. Können wir unser Gepäck inzwischen dalassen?"

"Ja, sicher". "Danke. Und dann möchten wir für zwei Nächte ein Zimmer reservieren." "???" "Wir möchten von 25. bis 27. das Zimmer reservieren." "Nein, das geht nicht. Denn ich weiß ja nicht, ob ich dann voll bin." "???" "Darum möchte ich es ja reservieren. Damit es dann nicht voll ist." "???" Wir zeigen ihm den Kalender, schreiben es auf, erklären ihm, dass er ja jetzt weiß, ob er noch Zimmer für das Datum hat, allein: "Nein, jetzt weiß ich schon, dass noch was frei ist, aber in zwei Tagen ist es dann vielleicht voll!" Himmel hilf!!! Ein leicht genervter Gesichtsausdruck könnte über Karins Gesicht gehuscht sein. Darauf hin macht er das, was Asiaten tun, wenn sie nicht mehr weiterwissen/können/wollen, aber nicht gehen können: Er schaut zu Boden und stellt sich tot. Game over? "Entschuldigung, könnte ich vielleicht mit jemand anderen sprechen?", bringt das Gespäch wieder in Gang. Ein anderer kommt angedackelt. "Ja, hallo! Ich würde gerne ein Zimmer reservieren." "Nein, das geht leider nicht. ich weiß nicht, ob wir dann full sind." Game over. Der zweite Mensch ist aber fähig, sich auf Englisch zu erklären. Sie nehmen keine Reservierungen entgegen, weil sie sowieso jede Nacht voll werden und deshalb nicht riskieren wollen, dass jemand mit Reservierung nicht kommt. O-kay...

 

Im Hotel angekommen, können wir ein Zimmer wählen und wir wählen das, das wir beim letzten Mal hatten. Es hat nämlich was, was wir bei 37 Grad nicht zu schätzen wussten: Eine Badewanne! Außerdem liegt es im Innenhof, hat Tisch und Stühle vor der Tür und falls es je wieder zu regnen aufhört, können wir unsere Sachen trocknen und die Schuhe putzen. Hier bleiben wir mindestens zwei Tage, bis wir wieder saubere Klamotten haben und ausgeruht sind. Es gibt viel zu tun: Wäsche, Blog, Fotos, Kontakte zu anderen Reisenden aufrechterhalten, Familie informieren, Weiterreise planen, und, und, und…


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