Vogelspinne oder Schlange?

Frittierte Vogelspinne oder Schlange am Spieß? Oder doch lieber einen gegrillten Frosch? Kambodscha hat einige kulinarische Überraschungen für uns bereit. Juhu!

 

Nach fast eineinhalb Tagen Fahrt mit dem Bus sind wir in Siem Reap in Kambodscha angekommen. Mit ein paar Überraschungen!

 

Wir hatten das Bus-Ticket zur kambodschanischen Grenze schon gekauft und warten auf die Abfahrt. Eine Stunde vorher kommt eine junge Dame mit dem Moped und überbringt die Hiobsbotschaft: Der Bus fährt heute nicht so weit, nur bis zu einer Stadt weiter nördlich. Na super! Das hätten sie eigentlich gestern auch schon wissen können. Was tun? Wir beschließen, nur nach Pakxe zu fahren, noch weiter nördlich, denn dort haben wir sicher einen Anschluss nach Kambodscha. Wer weiß, ob dieser Bus in der anderen kleinen Stadt gehalten hätte. 

 

Der Bus ist eine Viertelstunde vor Abfahrt rappelvoll, wir erwischen den letzten Doppelsitz, im Gang wird wieder einmal eine Reihe Stockerl aufgestellt. Na wenigstens ersparen wir uns das Rumfahren und Leute aufsammeln...

 

Fröhlich zockeln wir durch die Landschaft in Richtung Süden. Doch plötzlich ein außerplanmäßiger Stopp: Reifenpanne! Der Fahrer hat es gemerkt, bevor was passiert ist und eine Werkstatt angefahren. Dort wird erst der "Spezialist" angefordert. Aber oho! Da kommt der Nachwuchsmacho auf seinem Moped auch schon angebraust: Schwarzes, eng tailliertes Sakko, Ruderleiberl drunter, tätowiert wie der Henker und jede Menge Mukis. Dicke Silberketten. Das ca. 1,40 m hohe Kampfhenderl macht sich sogleich ans Werk. Und das beherrscht er. Ratzfatz ist der Reifen repariert und gewechselt und der Meister ist sich der Bewunderung der Massen sicher.

 

"Der Spezialist" ist nicht im Bild. Der in modisches Mickey-Maus gekleidete Herr ist unser Fahrer, der das Ganze kritisch überwacht.
"Der Spezialist" ist nicht im Bild. Der in modisches Mickey-Maus gekleidete Herr ist unser Fahrer, der das Ganze kritisch überwacht.

 

Weiter geht es. Wieder einmal gedenkt Karin in Dankbarkeit der Australierin, die ihr geraten hat, einen langen Rock zu kaufen, denn die lokalen Busse in Laos halten oft einfach am Straßenrand. Wohl dem, der dann einen Sichtschutz hat beim Pieseln. Die Mädis in den kurzen Hoserln müssen dann oft noch lange zusammenzwicken...

 

Um ein Uhr nachts kommen wir in Pakxe an, natürlich wieder einmal am nördlichen Busbahnhof 7 km außerhalb der Stadt, und am nächsten Tag müssen wir vom südlichen 8 km außerhalb wieder weiter. Damit die Tuk-Tuk-Fahrer nicht verhungern...

 

Diesmal haben wir ausnahmsweise sechs andere entschlossene Reisende, die die Bräuche kennen, dabei. In zwei Minuten ist der Fahrpreis halbiert und auf geht's ins Zentrum. Wir fallen alle in das nächste Hotel, wo sich der Receptionist erst mal den Schlaf aus den Augen reiben muss, aber schnell munter wird, als er merkt, dass er drei Zimmer anbringt. Wir finden ein Schild, das sagt, dass der Bus nach Kambodscha um acht Uhr abfährt. Also nix mit Ausschlafen!

 

Um viertel sieben läutet der Wecker, und wir machen uns auf den Weg zum Südbahnhof. Dort ist der Ticketschalter unbesetzt und kein Bus in Sicht. Hilfe! Sind wir am richtigen Bahnhof? Es gibt in Pakxe praktischerweise noch ein paar andere Busbahnhöfe, wo Busse verschiedener Anbieter losfahren. Damit es auch richtig schön kompliziert wird! 

 

Aber durch Rumfragen kommen wir zum richtigen Bus, wo aber auch noch keiner da ist. Doch einige Zeit später kommt ein Ticketverkäufer und bedeutet uns, zu warten, bis der Bus vorfährt. Und der geht schon eine halbe Stunde früher. 

 

Zur geplanten Abfahrtszeit passiert einmal gar nichts. Zehn Minuten drauf werden sie munter. Dann geht es plötzlich ganz schnell, vielleicht auch, weil der Bus quasi leer ist. Superbequem jeder über zwei Plätze gefläzt, beginnt die letzte Etappe in Laos. 

 

Dieses 19. Land unserer Weltreise war das erste, wo wir nicht so hundertprozentig warm wurden. Zwar haben wir auch in Laos außerhalb der Touristen-Hotspots sehr freundliche Menschen getroffen und die Landschaft ist zugegeben wunderschön, aber die Begleiterscheinungen des Massentourismus gepaart mit dem grundzwideren Gesichtsausdruck mancher Laoten haben uns in Vang Vieng, Luang Prabang und Pakbeng etwas die Lust am Land verdorben. Und durch die Einfallslosigkeit der Restaurants ist das auch nicht besser geworden. 

 

Aber unser Trecking in Phongsaly war z. B. wunderbar, um Vang Vieng war es herrlich und auch die Motorradtour oder die Slowboatfahrt waren schön. Und im ganzen Land haben wir uns immer - wie bisher fast überall - sehr sicher gefühlt. Sonst würden wir unsere Reiseeindrücke jetzt schon zeichnen, und nicht fotografieren;) 

 

Wir hatten uns schon gefreut, mit nur 10 Hansln im Bus zu sein. In Don Dhet ändert sich das schlagartig. Der Bus wird knallvoll mit den Leuten von der Insel. Die "4000 Inseln" im Mekong hätten wir eigentlich auch gerne noch gesehen, uns dann aber dafür entschieden, länger im Norden und in Thakhek zu bleiben. Ein Monat ist halt nicht lang...

 

Dann kommen wir zu Grenze. Jetzt wird es spannend. Es gibt zwei Möglichkeiten: Erstens: Man gibt den Pass, die Formulare und das Passbild sowie 40 USD dem Fahrer, bleibt im Bus und fährt über die Grenze und wartet drüben gemütlich im Restaurant. Oder man steigt aus und schlägt sich mit den korrupten laotischen und kambodschanischen Grenzbeamten auseinander. Dann erspart man sich zwei bis drei Dollar, je nach Verhandlungsgeschick.

 

Für uns völlig unüblich, haben wir beschlossen, es erstmals nicht selber auszukämpfen und bleiben sitzen. Auch weil wir gelesen haben, dass die meisten das tun und wir nicht wollten, dass dann der ganze Bus auf uns warten muss. Hätten wir gewusst, dass dann aber eh viele aussteigen, wären wir auch selber gegangen. Verletzt jetzt etwas unsere Traveller-Ehre...

 

Manche von denen, die selber rüberkommen, sehen aus, wie verprügelt. Sie haben wegen zwei Dollar gestritten, die der laotische Grenzer zu Unrecht für den Ausreisestempel kassiert und dann doch zahlen müssen, weil der korrupte Beamte sonst den Pass nicht zurückgibt. Manche mussten dann noch den nächsten Dollar erkämpfen, der für einen "Gesundheitscheck" (einmal Fieberthermometer zum Körper halten) zu zahlen wäre - aber den kann man bei entschlossenem Auftreten wirklich vermeiden. Zu uns ist er auch eingestiegen, aber wir haben ihm erklärt, dass er gerne messen kann, soviel er will, aber nichts dafür kriegt, und das war's dann. 

 

Einem wurde der Pass fünf Meter in den Raum geschmissen, weil er nicht genug Dollar hatte und an der Grenze kein Bankomat war, und zum Wechseln hatte er auch zu wenig Bares... Dem hat dann ein anderer ausgeholfen, aber er kommt ein wenig "zerstört" als Letzter an und hatte irre Angst, der Bus und sein Gepäck seien schon weg.

 

Auch die Kambodschaner behalten angeblich irgendeine "Bearbeitungsgebühr" ein, um die keiner rumkommt und wir haben von anderen gehört, von denen sie "Wochenend- und Überstundenzuschlag" wollten und die 2 1/2 Stunden diskutiert haben... 

 

Ein netter letzter bzw. erster Eindruck von einem Land, oder?

 

Doch sobald wir hinter der Grenze sind, ändert sich das Bild. Die Leute schauen freundlich, keiner will als erstes eine Klogebühr kassieren und im Lokal gibt es acht verschiedene Töpfe, aus denen man wählen kann. In keinem davon sind "Fried rice" oder "Fried noodles". Juhu! Wir probieren fermentierten Fisch. Schmeckt "sehr interressant".

 

Weitere fünf Stunden später sind wir in Siem Reap, und Wunder über Wunder fahren wir direkt ins Zentrum und werden nicht am nördlichen Busbahnhof abgeladen. Und dann die Überraschung: Siem Reap kommt uns ein wenig vor wie "Indien light". Ein harmloses Gewusel von Tuk-Tuks, viel Verkehr, Mopeds, Straßenküche und freundliche Leute. Juhu! Wir fühlen uns von der ersten Minute an wohl. Ein nettes Zimmer ist schnell gefunden, das schönste, das wir seit langem hatten. Hier bleiben wir erstmal für einige Zeit.

 

Und dann die Speisekarten: Vom gegrillten Frosch über Khmer-Küche, vom Straßenstand mit Vogelspinne, Schlange (Fotos werden nachgereicht) und den üblichen Heuschrecken, Maden und Käfern, die wir eh schon probiert haben, bis hin zur "internationalen" Küche ist alles da, günstig und wir wissen jetzt schon mindestens zehn Gerichte, die wir probieren wollen. Super! Jetzt läuft's wieder!

 


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