Palmsonntag in Cuzco

Dicht gedrängt stehen wir in der Kathedrale von Cuzco. Es ist sechs Uhr morgens, und die Palmweihe findet statt. Ein herrlich klarer Morgen mit wolkenlosem Himmel hat uns den Morgenspaziergang genießen lassen. Die Leute haben wunderschöne Palmbesen, die ganz anders aussehen, als daheim.

 

 

 

Die Messe ist anders als daheim. Der Herr Pfarrer hat echt Temperament. Die Predigt begleitet er mit so lebhaften Bewegungen, wie ein Italiener, der die Speisekarte diskutiert. Die Messe wird auf Spanisch gehalten, ist aber durch den gewohnten Messablauf gut verständlich. Viele Indigene sind aus den umgehenden Dörfern in ihrer schönen Tracht gekommen. Aber nicht die kitschigen, grellbunten, die man auf den zu bezahlenden Lamafotos sieht, sondern wirklich im Alltag getragene. Die Frauen in ihren Faltenröcken, oft schaut ein gelber Spitzenunterrock hervor, die langen schwarzen Zöpfe bedeckt oft eine Melone oder ein Zylinder, bunte, dick gestrickte Strümpfe - ein schöner Anblick.

 

 

 

Nur am Gesang des Chors müssen sie noch feilen: So was von falsch, manchmal singen sie nicht mal zur selben Zeit! 

 

Der Friedensgruß ist hier ein Friedenkuss mit Umarmung – die Südamerikaner sind halt leidenschaftlicher. 

 

Nach der Messe die Palmprozesion. Es werden auch Kreuze gesegnet, und jetzt ist auch unser Schutzengerl geweiht. Damit ja nichts mehr schiefgeht!

 

 

Danach ist es Zeit für die österlichen Leckereien, die an den Ständen vor der Kirche verkauft werden. Eine Art Briochebrot haben wir verkostet, es gibt auch noch Kekse, Spritzgebäck und andere Köstlichkeiten.

 

Die „Palmbesen“ werden von Bäuerinnen auf der Straße verkauft. Es ist immer Rosmarin und Salbei drin, oft ein Kreuz aus Palmblatt geflochten und mit Blumen. Schön sieht das aus.

 

 

Nach der Messe haben wir uns ein gutes Frühstück verdient. Und das bekommen wir auch: Frischgepresster Orangensaft, Gebäck, Getränk, Eierspeis und Spiegelei, Avocado und den köstlichen Andenkäse, den wir schon gestern am Markt San Pedro verkostet haben und der super intensiv schmeckt. Koka-Tee trauen wir uns keinen trinken, auch wenn er am besten für die Höhenanpassung ist, aber da wir ja als nächstes in die USA reisen, wollen wir nicht riskieren, dass vielleicht ein Drogentest anschlägt. Aber es gibt einen anderen Kräutertee, den Munia-Tee, der auch gegen Höhenprobleme hilft.

 

Nach dem Frühstück widmen wir uns dem Blogschreiben. Wir waren ein wenig im Rückstand, aber es gibt für uns jetzt in Peru wieder so viel Spannendes, dass oft kaum Zeit zum Schreiben bleibt. Durch die Zeitverschiebung kann es jetzt übrigens sein, dass ihr die Blogs erst am nächsten Tag findet, die auf der Startseite mit einem anderen Datum vermerkt sind.

 

Dann sind wir auch schon wieder draußen, denn wir wollen nichts verpassen. Wir haben so ein Glück, in der Osterwoche hier zu sein, denn es gibt die Prozessionen und außerdem wurden zahlreiche Stände mit einheimischen Spezialitäten aufgebaut. Und so verkosten wir ein Meerschweinchen. Die sind ja hier wirklich Volksnahrung, am Land werden sie zur Fleischgewinnung gehalten wie Hühner. Der Geschmack ist sehr gut, festes, mageres Fleisch und es gibt zahlreiche Zubereitungsarten. So ein Meerschweinchen kann bis zu zwei Kilo schwer werden und fällt dann wohl eher in die Kategorie Meerschwein.

 

 

In der Kathedrale gibt es das Bild eines einheimischen Künstlers, das das Letzte Abendmahl zeigt. Darauf zu sehen ist ein fettes gegrilltes Meerschweinchen!

 

Auch Regenbogenforellen - trucha - werden hier im Bergland gerne gegessen. Mit üppigen Beilagen serviert, sind für uns die asiatischen „Hungerzeiten“ vorbei. Kartoffeln, erbsengrüne große Bohnen in Sauce und Maiskolben schmecken gut zum orangefarbenen Fischfleisch. 

 

 

Dann müssen wir noch die Chicha verkosten.

 

„Die chicha morada ist ein typisches nichtalkoholisches Getränk aus Peru. Es wird auf Basis von Lila-Mais (auch Purpur-Mais genannt) hergestellt, der als maíz morado landläufig bekannt ist.

 

Traditionell wird der Lila-Mais als Ganzes gewaschen und dann in Wasser zusammen mit Ananas- und Quittenschalen, Zimt und Gewürznelken gekocht, bis die Maiskörner ausgeweicht sind und die Flüssigkeit die Dunkellilafarbe genommen hat. Die Flüssigkeit wird abgesiebt, mit Zucker und Zitronensaft abgeschmeckt und kalt serviert. Es ist geläufig, es mit kleingewürfeltem Apfel zu servieren.“ (Quelle: Wikipedia)

 

Auch die vergorene Variante probieren wir:

 

„Traditionell wird die säuerlich schmeckende Chicha selbst gebraut, wobei der von Frauen zerkaute Mais in ein Gefäß gespuckt wird und dann fermentiert.“ (Quelle: Stefan Loose: „Peru und Westbolivien). Wir probieren allerdings Chicha aus Quinua. 

 

Diese farbenprächtig ausstaffierten Damen möchten sich gerne gegen Geld fotografieren lassen. Im Gegensatz zu ihren "natürlichen" Geschlechtsgenossinnen sehen sie aber deutlich künstlicher aus.

 

 

Danach machen wir uns wegen des Treks zum Machu Pichu schlau. Der klassische Inkatrail wird es nicht werden, da braucht man ein Permit, und das hätten wir vor drei Monaten buchen müssen, und da wussten wir ja noch gar nicht, ob sich Peru zeitmäßig ausgeht. Jetzt wird es der Salkantay werden, ein fünftägiger Trek auf bis über 4600 Meter Höhe, der auch nach Machu Pichu führt. In ein paar Tagen geht es los, wahrscheinlich Mittwoch oder Donnerstag.

 


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